Tertia 2013/14

 

In diesem Schuljahr lernen hier 25 SchülerInnen zwischen 12 und 14 Jahren. Sie werden von den LernbegleiterInnen Jasmin Schirling, Felicitas Zimmermann und Alexander Effenberger betreut. Ein typischer Tag in der Tertia sind bei uns so aus:


Morgenkreis (8.20-ca. 8.30 Uhr):

Um uns auf den Tag einzustimmen, hören wir ein von den SchülerInnen oder uns mitgebrachtes Lied über Lautsprecher an. Das ist inzwischen ein Ritual, das uns allen gut gefällt.

Der Morgenkreis ist unser demokratisches Forum, indem alle organisatorischen und aktuellen Dinge besprochen werden, darum ist die Länge jeden Tag anders.


1.Block (ca.8.30-10.00Uhr):

Hier finden verbindliche Kurse, besonders zu den Kernfächern statt. Sie sind in zwei Niveaustufen differenziert, da das Lerntempo der Gruppe sehr unterschiedlich ist. Die Kurse bestehen aus z.B. einem Input, gemeinsamem Lesen/Rechnen oder einem gemeinsamen Lernspiel. Danach vertiefen die SchülerInnen das Thema in Einzel- oder Gruppenarbeiten.


Deutsch:

Hier geht es sowohl um grundlegende Kompetenzen wie Rechtschreibung, die Struktur der Sprache, das Texteschreiben und Textverständnis, das Vorlesen, Diskutieren, Argumentieren, als auch um den Spaß mit der Sprache z.B. mit Poetry Slams oder selbst geschriebenen Geschichten und Songs. In der Freiarbeit (2. oder 3.Block) werden von manchen lange, phantasievolle Geschichten geschrieben.

Verbindlich sind für die SchülerInnen drei Präsentationen pro Schuljahr zu einem selbst gewählten Thema. Daran arbeiten sie oft sehr motiviert und können ihr Verständnis von Texten, das Recherchieren im Internet und in Bibliotheken sowie das Vortragen und Darstellen von Inhalten gut üben.


Englisch:

In Englisch wird mit dem Lehrwerk Portobello Road gearbeitet, wir machen aber auch viele Spiele und singen zusammen. Das Angebot „English songs“, bei dem wir gemeinsam aktuelle englische Popsongs übersetzen und dann singen, mögen die Jugendlichen sehr gerne.


Mathematik:

Hier arbeiten wir an verschiedenen Themen wie z.B. Flächenberechnungen, Bruchrechnen, Prozentrechnen, Dezimalzahlen und Gleichungen. Es geht dabei vor allem um das Verstehen und Entdecken von Mathematik im Alltag und nicht um ein stupides Anwenden von Rechenregeln. Die gelegentliche „Handarbeit“ der Kinder an Montessorimaterial führt immernoch zu „Aha-Effekten“ bei den SchülerInnen.


Globales Lernen:

Dieser Fächerverbund beinhaltet bei uns die ganzheitliche Sicht auf die globalen Zusammenhänge von: Geschichte, Politik, Kulturen, Religionen, Philosophie, Ökonomie, Ökologie und Geographie.

Wir orientieren uns einerseits an Themen des Bildungsplans, andererseits regen wir die Jugendlichen dazu an, eigene Themen zu erforschen und als Projekt zu präsentieren sowie praktische Erfahrungen außerhalb der Schule zu machen. Mindestens ein einwöchiges Praktikum im Jahr ist verpflichtend.


Mädchen-und Jungsgruppen:

Wir finden es als Lernbegleiter sehr wichtig auf die Bedürfnisse unserer SchülerInnen in der Pubertät einzugehen und sie in dieser aufregenden Phase gut zu begleiten, deshalb gibt es jeden Dienstag Mädchen-und Jungsgruppen. Thema ist, was den Jugendlichen gerade auf dem Herzen liegt, wie z.B Fragen zur körperlichen oder sexuellen Entwicklung oder man unterhält sich einfach mal nur „unter Frauen“ oder die Jungs machen eine sportliche Aktivität zusammen.

Auf der Basis einer guten Beziehungsarbeit können wir frühzeitig entstehende Konflikte bearbeiten. Es finden regelmäßig Mentorengespräche mit den Jugendlichen statt.

 

2. Block (10.30-11.30Uhr)

Hier können die SchülerInnen verschiedene Angebote selbst wählen oder suchen sich eine Freiarbeit aus. Bisher gibt es für die Tertia: Theater, Atelier, Holzwerkstatt, Volleyball, Frisbee, Chor und Bands. Zudem haben die Tertianer einen Sport für sich entdeckt: Tischtennis. Das wird v.a. vor dem ersten Block und in der LB-Pause sehr gerne gespielt.

Freiwillig können die SchülerInnen auch einen Kurs zu Physik und zu Chemie besuchen.


3. Block (11.30-13.05Uhr)

Hier gibt es sogenannte Werkstätten, einen Französischkurs, ein Büchercafè oder es wird Freiarbeit gemacht.

In den Werkstätten werden Inhalte der Kernfächer selbstständig geübt und vertieft. In der Freiarbeit kann an eigenen Projekten gearbeitet werden.


Außerdem:

Zu unserem Konzept der Tertia gehört neben dem Lern- und Erfahrungsfeld Schule auch die Möglichkeit, viel vom Leben außerhalb der Schule kennenzulernen. Daher gibt es ein verpflichtendes einwöchiges Praktikum im Februar und auch sonst die Anregung, immer wieder selbstständig die „Außenwelt“ zu erkunden. Wir machen erlebnispädagogisch orientierte Ausflüge, um den Kindern/Jugendlichen in der Pubertät Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, und auch solche, die ein interkulturelles Verständnis fördern sollen (z.B. nach Strasbourg).

Im Sinne der „Entschulung“ ist es uns wichtig, dass die SchülerInnen viele lebenspraktische Erfahrungen machen. Ein Feld eröffnete sich uns hier durch das Catering der Permakulturseminare vom Verein Urban Gardening aus Freiburg, die bei uns in der Schule stattfinden. Die SchülerInnen bewirten die Seminarteilnehmer, unterstützt von einem Elternteil oder Lernbegleiter der Tertia. Der Einkauf, das Vorbereiten und Kochen des Buffets sowie die Buchhaltung werden dabei von den Schülern erledigt. Durch die Einnahmen konnten wir 2013 eine Fahrt ans Mittelmeer finanzieren.

Ein weiteres Feld für lebenspraktisches Lernen besteht für die Schüler durch die Gründung von
Schülerfirmen. Bisher gab es einen „Gebrannte-Mandeln-Verkauf“, durch den sich ein Schüler schon eine Reise nach Paris finanzierte. Das zweite Projekt ist die Naturkosmetikfirma „snowflake cosmetics“, welches einen festen Platz in unserem Stundenplan hat.

Die Tertianer haben sich in diesem Lernfeld unter der Anleitung von Jasmin schon sehr wertvolle Erfahrungen erschlossen:

Bei der Herstellung (Alltagschemie), dem Verkauf, dem Gestalten einer Homepage, der Verpackungen und Etiketten sowie bei der Präsentation ihrer Firma innerhalb eines Wettbewerbs der IHK Freiburg.

Durch die eigenständige Kontoführung, den Kleinkredit der Schule und die Kalkulation der Preise bekommen die SchülerInnen auch einen Einblick in ökonomische Zusammenhänge.

Einmal wöchentlich wird unsere Küche zu einem Ort begeisterten Laborierens mit Seifen, Wachsen und vorallem mit ätherischen Ölen, die dann die ganze Stufe in einen traumhaften Duft einhüllen.


Hier ein aktueller Presseartikel über die Schülerfirma Snowflake:

"Selbstgemacht und Bio" – Snowflake Cosmetics, ein Schulprojekt mit Nachwirkungen

Dezember 2012, Freie Schule Dreisamtal in Kirchzarten: Zunächst war es nur ein Angebot unter vielen – die Herstellung von Kosmetika auf natürlicher Basis, gerichtet an Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9 im Rahmen der alljährlich stattfindenden Projekttage. Doch schnell zeigte sich für die Gruppe der neun Jugendlichen um ihre Lernbegleiterin Jasmin Schirling, dass das Thema viel mehr Potenzial bot, als in einer kurzen Projektwoche unterzubringen war.

Schon bei der abschließenden Präsentation des Projekts in der Schule konnten sich die Ergebnisse der begeistert experimentierenden "Kosmetiker" durchaus sehen, riechen und fühlen lassen; belohnt wurde dies durch regen Absatz der Seifen und Cremes bei den Zuschauerinnen und Zuschauern. Vom Erfolg angefeuert, reifte die Idee, das Gelernte zu vertiefen und die Produkte einem breiteren Publikum anzubieten.

So entschlossen sich die jungen Unternehmer neben der Verbesserung und Erweiterung des Angebots auf Lippenpflege- und Badeprodukte zu einem mutigen Schritt: Im Rahmen des Wettbewerbs "Wirtschaftspreis Schule" der Industrie- und Handelskammer südlicher Oberrhein sollte das Projekt detailliert und zusammen mit einem Businessplan vorgestellt werden. "Das war richtig viel Arbeit, denn das allermeiste war Neuland für uns", erinnert sich Betreuerin Schirling, und fügt hinzu: "Besonders beeindruckend war die Lockerheit, mit der die Kinder ihr Projekt den zehn Juroren vorstellten." Der Preis sei dann zwar an die (erfahrenere) Konkurrenz gegangen, aber das sei verschmerzbar, denn wertvolle Erfahrungen habe man auf jeden Fall gewonnen.

Wer nun meint, Snowflake Cosmetics wäre eine reine Mädchengruppe, der irrt: nahezu ausgewogen ist das Verhältnis zwischen Jungs und Mädchen. Während sich die einen eher um technische Dinge wie die professionell gestaltete Homepage, das Facebook-Profil oder die technische Realisierung der Produktkennzeichnungen kümmern, beschäftigen sich die anderen mit der Herstellung und dem Test der Produkte oder dem Logo- und Flyerdesign. Darin liege ein wichtiger Aspekt der Schülerfirma, so Frau Schirling: jeder könne seine spezifischen Kompetenzen einbringen, denn nur in der Gemeinschaft würde solch ein Unternehmen auch gelingen. Außerdem: "Hier trainieren die Kinder die allseits beschworenen 'Soft-Skills', und Spaß macht das Ganze auch noch" – Nachahmungen sind strengstens erlaubt!

Zur Anschub-Finanzierung der jungen Firma wurde zunächst ein Mikrokredit aufgenommen, der inzwischen jedoch weitgehend getilgt ist. Auch erste Sponsoren konnten erfolgreich geworben werden, allerdings freut sich Snowflake Cosmetics sehr über weitere Unterstützer, um die Finanzierung kommender Aktivitäten sicherzustellen. Bis sich die Firma selber trägt, muss noch kräftig die Werbetrommel gerührt und die Firma bekannter werden – auch das kostet neben viel Engagement vor allem Geld, wissen die jungen Unternehmer.

Damit die Umsätze so richtig sprudeln, muss natürlich vor allem verkauft werden. Hierfür bietet sich die kommende Weihnachtssaison bestens an. Insbesondere Besucher des Weihnachtsmarkts in Kappel (14.+15.12.) haben gute Chancen, die liebevoll und ausschließlich in Handarbeit gefertigten Seifen, Cremes und anderen Pflegeprodukte zu erstehen. Infos zur Firma und den Produkten finden sich im Internet unter snowflake12345.jimdo.com und www.facebook.com/SnowflakeCosmetics; auch ein Onlineshop ist in Vorbereitung.

"Weil wir alles selber herstellen, kennen wir auch sämtliche Inhaltsstoffe. Viele der Blüten und Kräuter, die in unseren Produkten enthalten sind, stammen aus unserem Schulgarten und werden von uns selber getrocknet", verrät Jasmin Schirling, die zwecks kompetenten Anleitens ihrer wissbegierigen "Schneeflocken" mittlerweile sogar privat Fortbildungen zum Thema Naturkosmetik besucht. "Bisher haben wir nur Lob für unsere Produkte bekommen, und dabei soll es auch bleiben!" Ein Blick auf das Körbchen, das eine Auswahl von Snowflake-Artikeln bereithält, und man glaubt es ihr gerne...